FV Gröditz 1911
Dresdner Sport-Club
Ganz Dresden will den Aufstieg. Ganz Dresden? Nein, denn ein Gallisches Dorf bedingungsloser Masochisten trifft sich lieber 13.30 um den Weg in die Provinz anzutreten und dem Auswärtsspiel des einzigartig glorreichen Dresdner Sport-Clubs beim FV Gröditz 1911 beizuwohnen. Solche Landpartien gehören zu den schlimmsten Torturen die sich ein Fussballfan nur ausmalen kann. Ist die Straße doch gespickt mit Straßenschildern, die vor dem geistigen DSC Auge verdrängte Erinnerungen hervorrufen. Ob Weinböhla, Großenhain oder Kalkreuth, meistens hat‘s das Heimteam gefreut.
Aufgrund von Verletzungen und Sperrungen ging es prinzipiell ziemlich erwartungslos zum Tabellenzweiten und die Hoffnung keimte vielleicht auf ein Unentschieden. Dieses Jahr durfte zudem endlich im Stadion am Eichenhain gespielt werben. Für rabattierte zwei Euro gab es eine Eintrittskarte sowie ein Stadionheftchen. Das Stadion an sich ziemlich marode, dafür im schlichten Southfork Ranch Design dekoriert, abgerundet durch traute Heimeligkeit erweckende, um die Zäune der Traversen gewickelte Feuerwehrschläuche.
Zum Einlauf erwarteten wir nun, dass sich J.R. höchstpersönlich die Ehre geben würde um per Helikopter eingeflogen den Spielball zu präsentieren. Anscheinend wollte der Vereinsmäzen zu unserer Enttäuschung doch nicht so viel Brimborium um ein Achtligaspiel machen und trieb lieber seine Büffel über die Weiten von Texas um von den als neues Vereinsheim getarnten Ölbohrtürmen abzulenken.
Die Rumpfelf des Sport-Clubs hingegen begann die Partie mit sehenswertem Offensivfussball und hatte gleich gute Chancen zur frühen Führung. Heino vergab stellvertretend allein vorm Tor stehend. Prinzipiell gaben die Gröditzer ein gutes Bild eines agilen Slalomstangenparcours. Freudi, Wecker oder Poko, alle tanzten durch die Abwehrreihen, letztlich jedoch ohne Erfolg. Besonders Tino schien es dem gegnerischen Trainer angetan zu haben. Der im Wechsel mit dem Keeper hysterisch vorm „Wecker“ bzw. der Nummer zwanzig warnte.
Und beim Toilettengang war es passiert. 1:0 Gröditz. Der Heimanhang lechzte in Hörweite „Traumtor“. Kann ich nicht bestätigen, der Gästeanhang beckenbauerte auf Nachfrage „Abseitsverdächtig“. Kann ich nicht bestätigen. Egal, Sport-Club weiter am Drücker. Freudi sensationell frei gespielt, schließt aus äußerst aussichtsreicher Position schwach ab und der Gästekeeper sichert sich mit einem bahnschrankenartigen Reflex das Schüsschen. Der Schlußmann der Dallas Cowboys im direkten Gegenzug mit einem Field Goal Versuch und unser DSC-Goali unterläuft den Abschlag. Ein reaktionsschneller Blauer brauchte nun das runde Weiße nur ins leere Eckige schieben. Das war dann der zweite Streich und der dritte folgte gleich. Nach Flanke aus 20Metern trocken abgezogen. Unhaltbar … 0:3 Traumtor … Spiel steht auf dem Kopf.
Die zweite Halbzeit dann die pure Langeweile. Kurz vor Schluß schenkte Gröditz Heino den Ehrentreffer. Abschließend wurde John-Boys und Billy-Bobs Feinkostabteilung einer Qualitätsprüfung unterzogen. Bratwurst vom Elektrogrill bekommt aus Prinzip ein ungenügend, Calli hätte wohl kategorisch Höchstnoten verteilt. Die Fischsemmel erhält hingegen das Prädikat „nicht so gut wie in Löbtau“, was einem sehr gut minus entspricht. Aus der Preis-Leistungs-Perspektive oberes Mittelfeld dank Fass vom Bier.
Durchaus enttäuscht wurde nach dem kulinarischen Exkurs die Heimreise angetreten. Niemand rechnete vor diesem Spiel ernsthaft mit drei Punkten. Doch die starke Leistung der Mannschaft in der ersten Halbzeit hinterließ den wehmütigen Beigeschmack eines kleinen verpassten Sensatiönschens.



