Liebe kennt keine Liga!

Großenhainer FV 1990

Dresdner Sport-Club

Nach dem sensationellen Heimsieg gegen Dynamos Vierte wartete der designierte Staffelmeister auf den DSC. Der Verein bedankte sich bei den Fans für die Unterstützung und Leidensfähigkeit im vierten Jahr der Bezirksklassenzugehörigkeit mit einer einmaligen Aktion. Gemeinsam mit der Mannschaft ging es im subventionierten Bus nach Großenhain.

Die Fans zeigten sich diszipliniert und schwiegen auf der Hinfahrt andächtig, um die Konzentration der Mannschaft auf das wichtige Spiel nicht zu stören. Lediglich das Ploppen und Klirren, Geräusche die bei der Durchführung heidnischer Rituale entstehen und die Flüssigkeitszufuhr abrunden, drangen in die ehrfürchtige Stille.

Der Busfahrer fuhr uns zunächst zum Stadion der Freundschaft und ließ sich nur schwer davon überzeugen, dass wir in der Jahnkampfbahn auflaufen sollten. Letztlich ließ er sich dennoch überreden uns zur richtigen Spielstätte zu fahren.

Dort angekommen fanden wir am Eingang weder Security noch Eintrittskartenhändler. So dass wir uns direkt zur Schenke begaben und die Stunde bis zum Anstoß vertändelten. In die traute Heimeligkeit brach sich ein wenig freundlicher Herr, der uns in wärmster Vertrautheit befahl zum Kassenhäuschen zurück zu marschieren und uns eine Karte anzueignen. Nun gut, jeder Gang macht schlank.

Kurz vor Anstoß platzierten sich die dem Support weniger abgeneigten Friedrichstädter seitwärts der Haupttribüne und fanden einen reichen Fundus an allerlei Wurfgeschossen und Eisenstangen, da das Stadion bzw. korrekt heißt es die Kampfbahn, derzeit im Umbau begriffen ist. Zusätzlich wurde Bier in Glasflaschen gereicht. Dafür dass die letzten Jahre regelmäßig um ein „Match“ gebeten wurde, recht leichtsinnig seitens des GFV. Aber offensichtlich schien nach mehreren Hinweisen endlich auch zur örtlichen Jugend durchgedrungen zu sein, dass Unsereins an keinerlei körperlicher Auseinandersetzung gelegen ist.

Gesangstechnisch präsentierten sich die mitgereisten Mohnroten im Gegensatz zum Hinspiel in guter Laune und unterstützen ihr Team über weite Teile des Spiels. Klare Heimspiel Atmosphäre beim Spitzenreiter.

Wozu auch das Spiel seinen Beitrag lieferte. Nach der frühen Führung der Gelb-Schwarzen, die damit erneut ihre Effektivität unter Beweis stellten, gab sich der Sport-Club nicht auf und erspielte sich eine klare Feldüberlegenheit, sowie die ein oder andere, vielversprechende Großchance.

In der Nachspielzeit der ersten Halbzeit war es dann endlich soweit und Heino erzielte den verdienten Ausgleich. In der folgenden Halbzeit zwei wurde klar, dass der GFV trotz seiner vorzeitigen Meisterschaft die letzten Spiele nicht einfach so auf einer Backe absitzen würde. Stattdessen hielt die Mannschaft von Andreas Jachmann ordentlich dagegen. Die beiden Gelb-Roten Karten zeigen deutlich, dass das Heimteam motiviert, vielleicht sogar etwas übermotiviert in die Partie ging.

In der 78. Minute war es Christian Heinrich der im Strafraum gelegt wurde. Der Schiedsrichter entschied zunächst auf Vorteil, als der sich jedoch nicht wirklich ergab, pfiff er Elfmeter. Mit dieser Entscheidung machte sich der Unparteiische nicht unbedingt Freunde im Heimbereich, unterstrich damit aber seine gute Leistung.

Tino Wecker trat zum Elfmeter und verwandelte sicher. Mit seinem 23. Saisontor im 27. Spiel und dem siebten verwandelten Elfmeter brachte „The Machine“ die Rothemden beim Spitzenreiter in Front. Buhrufe und „Schiebung“ schallte es von der Tribüne! „Ihr seid ein Drecksverein“ hatte sich ein Herr im BVB-Polo zu Wort gemeldet, um anschließend zu verkünden: „Dynamo, Dynamo“. Schwarz-Gelb trägt der Erfolgsfan von heute also und morgen?

Humor ist wenn man trotzdem lacht und die Gemüter beruhigten sich schnell. Es folgte ein kurzes Aufbäumen der Klassenprimusse, was durch die zweite gelb-rote Karte für selbige aber jäh gestoppt wurde. Den Schlusspunkt setzte Niko Kuon, nachdem sich „Andre sein Onkel“ einen Ball erlief und der Gästekeeper den Lehmann gab. Während Csobots Pass auf Kuon war es Mucksmäuschenstill, als Niko den Ball gelassen in den Winkel jagte, hätte man eine Stecknadel fallen hören können, darauf mutierte die Anspannung jedoch zu Siegesgewissheit und Freudentaumel.

Anschließend gab es die obligatorische Uffta und auch im Bus wurde ausgiebig mit der Mannschaft gefeiert. In diesem Sinne: Niemand schlägt den DSC!

Zum Thema „schwarz-gelb verseuchtes Umland“: Ein Dynamo-Trikot markiert noch lange keinen Unmenschen. Nachdem Spiel kam ein ebenso bekleideter in den „Gästeblock“ und gratulierte bzw. würdigte die Unterstützung für einen Achtligisten als außerordentlich. Selbiges gilt für den sehr fairen Stadionsprecher, der zum Sieg gratulierte und hofft, dass wir etwas Ordentliches mit den gewonnenen drei Punkten anfangen. Ein Hang zu ein wenig mehr Differenzierung wäre also angebracht.

Bleibt zu hoffen, dass den Worten des Stadionsprechers Rechnung getragen wird und die Mannschaft noch zweimal zeigt was in ihr steckt. Aufstieg, wir glauben an Dich!

Danke für die tolle Auswärtsfahrt!