Die völkischen Festspiele zu Leipzig Leutzsch

SG Leipzig Leutzsch gegen Roter Stern Leipzig 10:0 (4:0)

Landespokal Sachsen, 04.09.2011

 

Am Rande des glänzenden 3:0 des besten Sportclubs der Welt am Samstag kam das Gespräch auf das Highlight des sächsischen Fußballsonntags. Bezirksligist Roter Stern Leipzig gegen die SG Leipzig Leutzsch, Leipzigs Linksaußen gegen die Neugründung aus Leutzscher Ruinen. Tatsächlich fand sich im Laufe von zwei drei Bieren eine komplette Autobesatzung und pünktlich ging es Sonntagmittag auf gen Messestadt.

Am Rande des glänzenden 3:0 des besten Sportclubs der Welt am Samstag kam das Gespräch auf das Highlight des sächsischen Fußballsonntags. Bezirksligist Roter Stern Leipzig gegen die SG Leipzig Leutzsch, Leipzigs Linksaußen gegen die Neugründung aus Leutzscher Ruinen. Tatsächlich fand sich im Laufe von zwei drei Bieren eine komplette Autobesatzung und pünktlich ging es Sonntagmittag auf gen Messestadt.

Am Alfred-Kunze-Sportpark angekommen – die Sterne hatten ihr Heimrecht aus Sicherheitsgründen abgeben müssen – war rund um den Gästeeingang jede Menge los, ansonsten präsentierte sich der Sportpark recht leer. Unsere Dresdner Gruppe teilte sich in Richtung Sitzplatz mit Dach und Schatten, Kameraplatz mit Dach und ohne Schatten sowie Gästeblock mit Schatten. Insgesamt fanden sich rund 1200 Besucher ein. Davon waren etwa 300 echte Sterne-Supporter sowie noch mal 300 eher politisch orientierte Menschen im Gästeblock.

 

Auf Heimseite fanden sich rechts der einstigen Grün-Weißen Stehtribüne ca. 20 Supporter ein, dazu auf der Stehtribüne lose verteilte Fans sowie relativ viele Leute auf dem Dammsitz. Insgesamt blieb die Kulisse allerdings deutlich unter den Erwartungen von 2000 erhofften Fans.

 

Zum Spiel selbst muss man nicht viele Worte verlieren. Die SGLL war an diesem Tag um Längen besser. Die Sterne waren indisponiert und zeigten zu keiner Sekunde die Leidenschaft und Laufbereitschaft, die nötig gewesen wäre, um irgendwas zu reißen. Zur Pause stand es 4:0, und trotz einer 15-minütigen Atempause für die Gäste im zweiten Abschnitt gab es mit dem Abpfiff per Elfmeter doch noch das zehnte Tor. Der Leutzscher Keeper musste lediglich bei einem Freistoß mal sein Können zeigen, hätte sich sonst lieber ein Buch mitgenommen.

 

Nicht verschwiegen werden darf leider das Drumherum. Denn das Pokalspiel entwickelte sich immer mehr zu völkischen Festspielen, der Kunze-Sportpark zur national befreiten Zone. Hatten Leutzscher Fans anfangs noch ein Plakat enthüllt (sinngemäß „ob jung oder alt, ob dick oder dünn, ob schwarz oder weiß, willkommen“, präsentierten die aktiven Fans schließlich die Spruchbänder „Fußball bleibt Fußball“ und „Politik bleibt Politik“. Und während sie rund 15 Minuten lang echten Support boten, drehte die Stimmung immer mehr. Motto des Tages wurde „Nur ein Leutzscher ist ein Deutscher“. Was einst als Provokation des SED-Regimes galt, ist heute nur noch plumper Nationalismus.

 

Plötzlich wurde es auch bei einem Zehn-Mann-Haufen auf der Stehtribüne („Nur ein Leutzscher ist ein Deutscher“) und auf dem Dammsitz (drei Mal dürft ihr raten…) laut. Diejenigen, die zuvor noch ihren Verein unterstützten, brüllten natürlich mit und nix anderes mehr. Gästefans berichten zudem von offenen antisemitischen Gesängen, die ich akustisch von meinem Sitzplatz aus aber nicht verstand.

 

Ein Blick auf das Publikum offenbarte jedenfalls, dass hier die wenigsten Grün oder Links wählen. Thor Steinar, Handbewegung gen tief stehende Sonne… Leider kann man nicht mal sagen, dass nur die Gäste dieses Publikum angezogen hätten. Denn man kannte sich, grüßte sich. So mancher stramme Nazi hielt regelrecht Hof. Auch die scheinbar „normalen“ Fans störten sich daran nicht, echauffierten sich lieber über die linken Chaoten „da drüben“. Meine Nachfragen, ob die Nazis „hier unten“ besser seien, blieben dann aber doch unbeantwortet.

 

Unter den Sterne-Fans war die Stimmung leider mäßig. Von Anfang an war es eher leise, der Spielverlauf trug nicht wesentlich zur Verbesserung bei. Die Tatsache, dass für rund 600 Fans ein(!) Getränkestand da war, hebt die Supportwilligkeit erfahrungsgemäß auch nicht an. Es gab ein paar Spruchbänder, die auf die Rivalität BSG Cemie vs SG Leipzig Leutzsch anspielten, ein paar Pro-Sterne-Gesänge, ich hätte mehr erwartet.

 

Ja, das hätte es gewesen sein können, hätte. Aber nach rund 60 Minuten ereignete sich hinter dem Gästeblock irgendetwas. Jedenfalls rannte plötzlich die Polizei, formierten sich ca. 50 Mann im Gästeblock und setzten sich rund 100 Nazis auf Heimseite in Bewegung. Die Ordner hatten ja dankenswerterweise die Tore zwischen Stehtribüne und Dammsitz geöffnet, ein Schelm, der Böses dabei denkt.

 

Für und 15 Minuten standen sich Nazis und Linke durch zwei Pufferzäune getrennt gegenüber. Ein Böller flog, das Spiel wurde kurz unterbrochen. Verbal wurde die eine oder andere politisch orientierte Nettigkeit ausgetauscht, dann wurde es den meisten zu langweilig.

 

Nach Abpfiff feierten die Sterne-Fans ihr Team trotz des Desasters euphorisch, das Stadion leerte sich schnell und nach gut einer Stunde, in der der Platzwart der Leutzscher erst einen Spieler der BSG Chemie und dann den Schreiber dieser Zeilen wüst beschimpfte und Prügel androhte, konnte sich auch die Dresdner Reisegruppe wieder auf den Weg gen Landeshauptstadt machen.

 

Als Fazit bleibt: Nie wieder SGLL, Leipzigs Nazis haben eine neue Bühne gefunden. Und am Schönsten ist Fußball eh in der Friedrichstadt.

 

lohsi

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Kommentare: 7
  • #1

    andi_dd (Montag, 05 September 2011 18:37)

    schöner und inhaltlich zutreffender bericht, danke dafür!

  • #2

    der da (Montag, 05 September 2011 22:56)

    "Die Ordner hatten ja dankenswerterweise die Tore zwischen Stehtribüne und Dammsitz geöffnet, ein Schelm, der Böses dabei denkt." es waren nicht die ordner sonder die 4-5 polizisten die dort am tor standen^^ diese hatten die leute ja net durchgelassen so sind diese leute hinter der tribüne entlang die polizei hinterher und siehe da das tor war frei ^^ wollt ich nur mal richtig stellen

  • #3

    Leutzscher (Dienstag, 06 September 2011 08:48)

    Ne Anmerkung zu deinem Bericht hier... Mag ja sein das davon vieles zutreffend ist,jedoch verbitte ich mir die Aussage jeder der 100 am Tanz interessierten Leute der SG LL die am Trennzaun zum GB verweilten sei ein Nazi.Das ist schlicht und ergreifend einfach pauschalisiert,ich wähle z.b. Links und hatte mit 90 von den 100 sportlichen dort kein Problem,da auch angebliche "kühne Grüße" sowie "politische Wortlaute" nur von ca 10 /von den / 100 Leuten kamen... Vielleicht solltet Ihr euch ,euer Weltbild nciht immer so einfach stricken und mal genauer hinschauen/recherchieren,weil nur weil Ihr denkt ihr habt nun der SG LL nen Stempel aufgedrückt,heißt es nciht das dort nur nazis und andere Leute hingehen. Vielleicht kamen einige Leute auch nur weil sie sich vom Vorgeplänkel und diverser Sticheleien der BallSg und der Sterne angezogen gefühlt haben ?!?! denkt mal drüber nach.. denken ist auch allgemein sehr hilfreich,und auch nciht so DIRSKRIMINIEREND wie alles was ncith in euer linkes Weltbild passt immer gleich als Abschaum & Nazis hinzustellen... Sport Frei.Und werdet mal objektiver... MfG

  • #4

    Ich (Dienstag, 06 September 2011 10:30)

    Zur Supportwilligkeit der Sterne sei eins gesagt: Die Leute die in der Regel die Initiative für Gesänge übernehmen, waren an diesem Tag in andere Tätigkeiten eingebunden (Bsp.: Ordner).

    Ansonsten sei gesagt: Ich komme ursprünglich aus der grün-weissen Ecke und ich war teilweise gelähmt, schockiert und alles zusammen aufgrund der "Stimmung" auf Seiten der SGLL. Ich hatte im Vorfeld Schlimmes erwartet, aber das übertraf alles.

  • #5

    SGLL Supporter (Dienstag, 06 September 2011 17:37)

    Aber meint ihr echt ihr seid besser wenn ihr uns alle über einen kam schert? ich finde es echt zum kotzen das jeder SGLL fan jetzt als nazi beschimpft wird nur weil er sich nach dem aus des FCS nicht zur BallSG begeben hat. Ich für meinen teil scheiße auf politik und beim fußball hat die nichts zu suchen.
    damit meine ich nicht nur euch vom roten stern leipzig sondern auch die netten reporter der LVZ die wiedereinmal zeit gefunden haben alle fans der SGLL als nazis hinzustellen.
    Danke für nichts!!!

  • #6

    andi_dd (Dienstag, 06 September 2011 18:19)

    wer behauptet denn, dass jeder sgller nazi sei? ich lese nur folgendes heraus: es fanden sich nazis ein, die sich auch dementsprechend äußerten und andere störten sich zumindest nicht offensichtlich daran.

  • #7

    fan (Mittwoch, 07 September 2011 05:03)

    es geht nicht darum das pauschaliesiert wird,
    es geht darum das der zustimmt der schweigt!
    wer macht denn den sport kaput?
    die zecken die mit ihren familien sonntag in dölitz käse essen,
    oder die thor steiner träger die das deutsche/leutsch gegen nicht deutsche verteidigen?

 

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12. August 2017, 15.00

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Am Hammer

 

 

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