Von marodierenden Horden im sächsischen Nizza

Sportclubfreier Samstag heißt, anderswo nach interessantem Fußball scouten. Anbot sich FV Dresden 06 gegen Rot-Weiß Bad Muskau. Das Aufeinandertreffen einiger, altbekannter Gesichter, hüben wie drüben. Spontan hangelte sich jedoch eine Erinnerung des Vorabends durch die Synapsen. „Fährste och zu Radebeul gegen Lok?“ und sagenhafte zwölf Stunden später fiel auch auf, Moment mal, Lok spielt doch …

Laubegast jedenfalls verlor nach 2:0 Führung, unter anderem durch Christian Freudenberg, noch mit 2:6 und wir fuhren nach Radebeul. Im Lößnitzstadion standen sich der Radebeuler BC und die BSG Chemie Leipzig gegenüber.

 

Schon die Vorberichterstattung hatte für beste Unterhaltung gesorgt. Das Qualitätsmagazin „Sächsische Zeitung“ hatte mit gebotener Seriosität herausgefunden, dass scharrenweise und noch dazu vermummte Gewalttäter in das beschauliche, so genannte „sächsische Nizza“ pilgern werden, um den Natives ordentlich an den Karren zu pinkeln. So warnte das ehemalige Zentralorgan der SED davor, sich mit Dynamo-Schals zu schmücken, wenn die barbarischen Horden aus Nordwestsachsen einfallen. Außerdem mahnte die Polizei dringlichst, die Abreise der Gäste abzuwarten und im sicheren Schutz des Stadions der Dinge zu harren. Um nicht zum Anlaß für Ausfälle der nach Gewalt trachtenden Anhänger der BallSG zu werden. Zur Nachlese empfehlen sich die ADDN: Leipziger Fußballfans werden zu Politikum.


Insgesamt hatten sich 528 Zuschauer im Lößnitzstadion eingefunden. Davon 200-250 aus der Messestadt. Die machten gewohnt Stimmung und hatten allerlei Spruchbänder vorbereitet, mit denen die Presse auf die Schippe genommen wurde. Die sich über dutzende von Minuten hinziehenden Dauergesänge trugen aber wenig zur Bereicherung des Spiels bei. Denn Spielerisch bot sich ein Schlagabtausch der gähnendsten Langeweile. Kaum Torchancen, kaum Tore, kaum ansehnliches Gekicke. Zumindest in Halbzeit Eins. Interessanter war da, mitgeteilt bekommen zu müssen, wie der Einheimische seine Heimbibliothek bestückt hat. Alles da, von Mein Kampf 1&2, bis Schwarzer Hals und … so weiter.

 

Kurz vor der Pause hatte jedenfalls der Neubert unbemerkt zum 1:0 eingenetzt. Die folgende halbe Stunde der zweiten Hälfte knüpfte nahtlos an die erste Halbzeit an. Lediglich die Schlussphase bot ein wenig Spannung. Chemie erarbeitete sich eins-zwei Chancen, scheiterte jedoch kläglich. Im Gegenzug machte der Chancentod Neubert seinem Ruf endlich alle Ehre und verweigerte die Vorentscheidung. In der 90. Minute erhöhte der Dörner auf 2:0. Doch auch der Gegenzug zappelte im Netz und es blieb noch ein paar Sekunden spannend. Doch wenig später war auch Schluss.

 

Danach gab es noch das ein oder andere närrisch-neckische Wortgefecht zwischen heimischen Anhängern der Brunswickbezwinger und den Gästen. Während die Grün-Weißen durchgehend supporteten, gab es auf Heimseite erst nach Spielschluss RBC- und Dynamorufe zu vernehmen. Sowas kennen wir doch irgendwo her. Jedenfalls blieb, vollkommen überraschend, alles ruhig.

 

Nun zum kulinarischen und fiskalischen Urteil. Sechs Euro verlangten die Radebeuler, mit Sicherheitszuschlag. Komischerweise kamen die Kamenzer beim chemischen Gastspiel ohne dieses hysterische Bohei aus. In Kamenz musste der Vollzahler 4.50 löhnen, dem entsprach der ermäßigte Eintritt in Radebeul, wie erwähnt mit jeweils selbem Gegner. Auch in anbetracht der Cuisine war Radebeul eher mauvaise als haute. Kleine Auswahl, durchschnittlicher Preis. Fischbrötchen und kalte Schnitzelsemmel gabs, sowie vermutlich Kuchen. Alles in allem, schöne Anlage, weniger schönes Umfeld.

 

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