"Es war ein Fest"

Zum dritten Mal gab es einen Grund, ins erzgebirgische Aue zu fahren. Der FC St. Pauli gab sich die Ehre. Die Erinnerungen an Spiele dort waren bis dato eher negativ: Die erste Begegnung endete torlos, die zweite Partie hatte das Ausscheiden aus dem DFB-Pokal zur Folge. Sollte es dieses Mal besser werden? Vorab: Nein. Der FC St. Pauli spielte zwar gut, hat aber ein Problem mit dem Toreschießen. Und gestern auch noch einen Torwart, der schon bessere Tage hatte. Sagen wir so: Unsere Fanclubkatze im Tor, die hauptverantwortlich für vergangene Triumphe über die Trümmertruppe der Milchschnitten ist, hätte ihn gehabt. Gleichwohl: Zwar nicht gepunktet, dennoch war alles anders.

 

Wir feierten nämlich Premiere: Ein Bus machte sich aus Dresden auf den Weg gen Westen. Die Vorfreude war dementsprechend groß, schon seit Wochen gab Torwartpunk Horschte die Richtung vor: "Das wird ein Fest!" Er sollte Recht behalten Organisiert hatten den Bus die Sternschnuppen aus der Lausitz, die Freibeuter1910 DD-Neustadt mobilisierten in Dresden. Die Nachfrage war groß: Allein aus Dresden wollten 28 Menschen mitfahren, der Rest des Busses wurde von den Lausitzern gefüllt. Auf diese galt es zu warten. Um Neun sammelten sich die Neustädter vor dem Bahnhof Neustadt an den Bushaltestellen. Alte, graue, müde, schlaffe Gesichter. Größtenteils zusammen. Braun-Weiß gewandet und behangen. Eine halbe Stunde, ohne Polizei. Die brachten dann die Lausitzer mit: Zwei Mannschaftsbusse hatten sich in Dresden an die Sternschnuppen gehängt. Als die Polizisten aber sahen, dass die gefährlich Aussehenden im Bus junge, freundliche, hellwache Dresdner mit roten Pausbäckchen einsammelten, drehten sie ab. Wie nicht anders zu erwarten: Großes Hallo! Step verteilte die Karten, die ersten musterten den Getränkevorrat. Der war reichlich. Die Sternschnuppen hatten eingekauft. Wie es allerdings sein kann, dass sie nur Astra und Wickühler eingekauft haben und kein Sternburg statt Deutschland, sollte noch Thema eines internen Aufarbeitungsprozesses sein.

 

Los ging es Richtung Erzgebirge. Mit einem Busfahrer, der seinen Job bestens und freundlich erledigte. Ein Glücksgriff war auch der Bus, der seinen zugedachten Zweck souverän meisterte und zudem bequem war. Plopp-Choreo. Vorfreude und zunehmende Angespanntheit. Da vergaßen der neben mir sitzende Ben und ich schnell den Frust, den zeitgleichen Auswärtsauftritt des Dresdner SC bei den Eisenbahnern zu verpassen. Dank neumodischem Kommunikationsscheiß und den von den Intergalactic Jesters eingerichteten Liveticker war man zumindest stets auf dem Laufenden. Die Bahnfahrt gestaltete sich kurzweilig, wobei Aue auch nicht sehr weit von Dresden weg ist. Eine kurze Fahrt, gestaltete sich noch kurzweiliger. An einer Raststätte nahmen wir noch Mitfahrer aus Freiberg auf, kurz vor Aue trafen wir einen weiteren Bus aus der Lausitz: Großes Hallo! Es war mir eine besondere Freude, den Lautaern wieder zu begegnen. Diese hatte ich 2007 bei der gemeinsam über das offizielle Forum verabredeten Abreise per Sachsenticket nach Erfurt kennengelernt und seitdem immer wieder getroffen. Ein Fest!

 

In Kolonne ging es dann auf den Gästeparkplatz direkt vor dem Eingang, wo sich schon die ersten Busse befanden. Kurz nach dem Eintreffen traf ich Darktrail. Mit dem hatte ich mich nicht verabredet. Dafür aber mit Leo-Arsch und Zwille-Kunde: Diese verfehlte ich selbstverständlich bis zum Schluss. Es ist immer dasselbe: Im Vorfeld freut man sich auf so viele Gesichter, bestätigt sich gegenseitig die Vorfreude, am Spieltag begegnet man sich aber nicht oder kann sich nur kurz begrüßen. Es ist die spieltägliche Überforderung.

Wow. Bei den letzten beiden Aue-Auftritte war der Gästeblock nicht voll gewesen, die Stimmung war jeweils mau. Dieses Mal war alles anders: USP hatte die Südkurve breit mobilisiert, weswegen viel mehr Menschen als sonst aus Hamburg anreisten. Zudem gab es noch zahlreiche Busse aus anderen Region, aus Berlin zum Beispiel zwei. Der Block im schicken Erzgebirgsstadion war daher prall gefüllt. Die Stimmung war prächtig. Über 90 Minuten wurden die St. Paulianer nach vorne gepeitscht, bei manchen Liedern stimmte fast die gesamte Kurve ein. Von den Auern war dagegen kaum etwas zu vernehmen.

 

Positiv hervorzuheben ist neben dem schnuckeligen Stadion und des tendenziell durchaus angenehmen Publikums das kulinarische Angebot. Das ist in der Breite sowie in der Qualität einzigartig. Wenn man zumindest das Angebot im Gästeblock betrachtet. Das tröstet über das Ergebnis hinweg. Was für ein doofer Punktverlust! Klar Überlegen, in Führung und schließlich verliert der Magische am Ende durch ein Tor in der 90. Minute 2 zu 1. Kann passieren, muss es aber nicht. Nun dürfen die Träume vom Aufstieg ad acta gelegt werden. Für die ersten beiden Plätze wird es nicht reichen, dafür ist die Konkurrenz zu stark. Selbst die Chancen auf den Relegationsplatz sind meines Erachtens eher gering. Aber: Wer will denn auch unbedingt aufsteigen? Selbst mit einigen Verstärkungen stünde zu befürchten, dass dann eine schreckliche Saison mit der ein oder anderen Klatsche die Folge wäre. Zudem, um sich zum Eigeninteresse zu bekennen: Karten bekommt man in der ersten Liga auch nicht unbedingt besser. Schließlich: Projekt Nummer 1 in Hamburg kann nächste Saison auch in der zweiten Liga verwirklicht werden. Das wird ein Fest.

 

Das Team wurde nach dem Spiel trotz ärgerlichen Ausgangs von der Kurve gefeiert. Die viel diskutierten Pfiffe blieben dieses Mal aus. Raus aus dem Stadion. Sammeln und Warten auf das Abfahrtssignal der Polizei. Leo-Arsch und Zwille-Kunde bei dieser letzten Möglichkeit auch nicht getroffen. In der Pause dafür den Manager von den Sternen, der sich über den Fußballverband aufregte. Was ein Theater bei der Spielansetzung der Partie Mügeln versus Roter Stern Leipzig. Die Mügelner wollten das Heimrecht wegen Angst vor Nazi-Auflauf abgeben. Der Verband war dagegen. Also doch in Mügeln? Nein, denn einen Tag nach dem endgültigen Untersagen sprach der Verband doch seine Erlaubnis aus. Tilo aus Chemnitz war auch da. Noch viele andere bekannte Gesichter. Ein Fest. In Bus- und Polizeikolonne ging es dann endlich Richtung Autobahn, ein beeindruckendes Bild. Die Stimmung im Bus war trotzig-lebhaft. Die Biervorräte neigten sich dem Ende. Horschte versuchte durchzusetzen, dass die Freibeuter1910 DD-Neustadt direkt vor dem Pawlow abgesetzt werden. Damit hatte er keine Chance, die Verabschiedung fand am Bahnhof Neustadt statt. Da gab es vielfache Bedankungen bei den beiden Hauptverantwortlichen des Ausflugs. Der harte Kern der Freibeuter näherte sich schließlich mit schnellen Schritten der Görlitzer Straße. Getreu dem Motto: Ein Tag, der im Pawlow endet, kann kein schlechter gewesen sein. Ein Tag, der im Pawlow mit vergessenem Rucksack und geprellter Zeche endet, auch nicht. Es war ein Fest.

 

Antihomophobe Aktion statt BVB-Desperados!

 

Die Babelsberger 5-Euro-Aktion hat wohl über 6000 Leute ins Stadion gelockt. Blöde, wenn dann eine Nullnummer herauskommt. Der Blick auf die Aufstiegsplätze in der dritten Liga treibt einem einen Schauder über den Körper. Es ist ja schön, wenn ich Spiele mit Besuchen bei Mutti in Oberschwaben verbinden kann. Aber: Aalen, Sandhausen, Regensburg! Bereicherung der zweiten Liga würde ich das nicht nennen.

 

In einem dramatischen Spiel hat der Dresdner SC beim ESV gewonnen. Das war alles andere als sicher. Der ESV verfügt nur über einen verdammt kleinen Kunstrasenplatz, der ihnen einen enormen Heimvorteil gibt. Genützt hat es nichts: Zwei Elfmeter kurz vor Abpfiff sicherten dem Dresdner SC wertvolle drei Punkte. Angesichts der Patzer der Konkurrenz, Niederlage Hellerau-Klotzsches, Unentschieden von Zschachwitz und Dynamo3, rückt der Aufstieg näher. Yeah! Wer hätte das zu Beginn der Saison gedacht? Mittlerweile ist der DSC gleich auf mit Zschachwitz, bei einem Spiel weniger. Das klappt. Ich spüre es. Und eines ist sicher: Es wird ein Fest! Den Bericht des geschätzten Kollegen gibt es hier: http://www.intergalactic-jesters.de/berichte/saison-2011-2012/esv-dresden/

 

andi_dd 

 

P.S.: Nun auch offiziell: Sternburg statt Deutschland!

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Kommentare: 1
  • #1

    andi_dd (Dienstag, 20 März 2012 12:44)

    das schreiben des berichts hat sich schonmal gelohnt. die sternschnuppen haben hoch und heilig versprochen, bei der nächsten auswärtsfahrt sternburg statt deutschland an bord zu nehmen. danke! :-)

 

Nächstes Spiel:

-- Sommerpause --

 

Letztes Spiel:

Dresdner Sport-Club   2 (0)
Zschachwitz   5 (4)

 

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