Forza Roma – Zu Gast in der Serie A

Da der Bezirksligaspielplan dummerweise keine Rücksicht auf meine Urlaubsplanung nehmen wollte, stand recht schnell fest, dass ich die Heim-Partie der Schwarz-Roten gegen Oderwitz verpassen würde. Um aber auch im Urlaub nicht ganz auf Fußball verzichten zu müssen, bot es sich dafür an, endlich mal Calcio live zu begutachten… wenn man schon mal in Rom ist.

 

Einige frustrierende Erlebnisse mit italienischen Ticketsystemen später, hielt ich tatsächlich eine sündhaft teure und personengebundene Karte für das Stadio Olimpico in der Hand, wo sich an diesem Sonntagnachmittag der AS Rom und der FC Bologna treffen sollten.

Viel zu früh am Stadion eingetroffen merkte ich, dass es dort nahezu nichts gibt. Da das römische Olympiastadion bekanntlich auch von Lazio genutzt wird, gibt es dort außer jeder Menge Händlern von erbärmlich schlecht gefälschten Devotionalien gar nichts. Da ich mangels Italienischkenntnissen auch nichts von den vielen gratis Sportzeitungen hatte, die verteilt wurden und nach Abpfiff einen vortrefflichen Müllberg hinterließen, besah ich mir das Olimpico ein wenig genauer.

 

Idyllisch gelegen, im alten Olympiapark zu Fuß eines Berghangs, merkt man dem Stadion leider doch kräftig die Jahre an. Hier bröckelt der Putz, da fehlt jenes… Auf neuestem Stand sind eigentlich nur die Sicherheitsschleusen. Trotzdem wurde zwar zwei Mal mein Ausweis kontrolliert, abtasten wollte mich aber niemand. Ein humoristischer Lichtblick war das direkt nebenan stehende zweite Stadion aus der Mussolini-Ära. Vor allem der dort stehende nackte Skifahrer, unter den vielen Marmorstatuen, rang mir ein kräftiges Lächeln ab.

 

Neben mir strömten knapp 45.000 Zuschauer ins Stadion, was aber eigentlich nur für diejenigen gut aussah, die auf der Haupttribüne Platz fanden. Denn die Südkurve, die Gegentribüne und ein Teil der Nordkurve waren voll oder zumindest fast voll. Die Haupttribüne dagegen war nur sehr lückenhaft gefüllt und zur Nordkurve hin war knapp ein Fünftel des Stadions komplett leer. Pünktlich mit Abpfiff wurden auch die knapp 50 Gästefans in ihren Block gelassen, der am Rande der Haupttribüne direkt unter dem Dach zu finden war. Selbst wenn Bologna gut drei Stunden von Rom entfernt liegt – jedes deutsche Drittligateam würde an einem Sonntagnachmittag mehr Mitfahrer mobilisieren. Derweil präsentierte sich die Gegengerade zum Anpfiff komplett in rot-gelb, während die Kurven Schals und Fahnen präsentierten.

 

Nun, die Fans aus Bologna wären wohl am liebsten im Bus geblieben. Denn die Roma legte los wie die Feuerwehr. Der von den Fans abgöttisch geliebte Totti zog nach sechs Minuten ab. Den Abpraller schob Florenzi locker ins Tor. Als Lamela nach 15 Minuten allein von Rechtsaußen in die Mitte zog, die Gegenspieler ehrfurchtsvoll Platz machen, stand es sogar schon 2:0.

 

Die Stimmung war bis dahin hervorragend – allerdings machte die Südkurve vergleichsweise wenig Lärm. Nach meinem persönlichen Empfinden machten die älteren Fans um mich herum auf der Gegentribüne mindestens genauso viel Rambazamba. Vor allem bei guten Aktionen von „Il Capitano“ Totti wurde gejubelt und getrampelt, dass die fünfzig Jahre alte Tribüne bedenklich wackelte. Dafür gabs in der Südkurve viel, was das Fanherz begehrt: Spruchbänder (die zuerst in die Kurve und dann erst nach von gehalten werden), zig durchgehend gewedelte Schwenker und einiges an rotem und gelben Rauch.

 

Dummerweise ließ die Roma nach gut 20 Minuten das Spiel schleifen, was auch der Stimmung nicht gut tat. Bis zur 70. Minute plätscherte die Partie vor sich hin, da legte plötzlich Bologna los. Ein Doppelschlag von Gilardino und Diamanti brachte den Gästen den bis dahin kaum verdienten Ausgleich. Die Roma ging jetzt noch einmal in die Offensive und auch das Stadion wurde noch einmal lauter… als Gilardino in der Nachspielzeit einen schönen Konter zum 2:3 verwandelte, wurde es plötzlich mucksmäuschenstill und das komplette Publikum erhob sich synchron und flüchtete zu den Ausgängen. Selbst die Verkäufer, die zuvor in typisch italienischer Penetranz durchgehend auf den Gängen unterwegs waren, um sündhaft teures Plasteflaschenbier, Eis oder Popcorn zu absurden Preisen zu verkaufen, waren plötzlich weg.

 

Lediglich die 50 Gästefans feierten jetzt hörbar, belöffelten die Nordkurve und umgekehrt: Fußball kann so wunderschön bekloppt sein. Ich jedenfalls blieb noch ein wenig und machte mich dann auch langsam auf den Heimweg. Fazit: Fußball in Italien atmet noch deutlich mehr Oldschool-Feeling als in der Bundesliga. Und allein das ist durchaus eine Reise wert.

lohsi

 

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