Eine Reise ins liebloseste Stadion der Welt...

Was ist schon Jena – Zwickau, wenn man in Eilenburg einen neuen Ground mitnehmen kann? Die Antwort wird vorweg genommen: auf jeden Fall die wesentlich bessere Wahl! Aber nachher ist man immer schlauer... Die große Stärke eines jeden Fussball-Fans ist ja bekanntermaßen die, sich jeden Mist in schönsten Farben auszumalen. Sachsenpokal-Viertelfinale! Der letzte echte Underdog im Wettbewerb! Tomislav Piplica! Sangesfreudige Gästefans! Frenetisches Heimpublikum, das wie eine Wand hinter ihrem Kleinstadt-Team steht! Kostenfreie, entspannte Zuganreise! Stadionwurst! Neuer Ground!

Viertelfinale, Landespokal Sachsen, Sa., 23.03.2013, 14:00 Uhr:

FC Eilenburg – Chemnitzer FC 0:4(0:2)

 

Tore: 0:1 Anton Fink (10., FE), 0:2 Anton Fink (18.), 0:3 Maik Kegel (64.), 0:4 Anton Fink (67.)

 

Ilburg-Stadion Eilenburg

Zuschauer: 412

 

Realität: nach zu langer und intensiver Nacht mit nicht zu unterschätzenden Nachwirkungen traf sich die auf immerhin vier Personen angewachsene Sportclub-Reisegruppe, ausgestattet mit langer Unterhose und ausgedrucktem Reiseplan, am Bahnhof. Ab nach Leipzig, dort umsteigen und dann die paar Meter ins Stadion ganz entspannt spazieren. In Eilenburg angekommen brauchte man die Karte nicht, denn ein Kommando der Polizei, offenbar in Erwartung eines Bürgerkrieges, nahm uns in Empfang und fuhr den gefühlt stundenlangen Fußweg immer kurz hinter uns. Hatten wir uns aber auch verdient: lange Unterhosen, frierend, grad so ein Bier geschafft, weil der Schlaf zu wenig und der Restpegel zu hoch war, haben wir wirklich ein gefährliches Bild abgegeben.

 

Angekommen im Stadion wurde die Erwartung noch übertroffen: ein Betreuungsschlüssel, von dem jede Kita-Leitung träumt. Hätten die Beamten alle gezahlt, Eilenburg würde RB den Rang ablaufen. Der Gästeblock wurde gar liebevoll errichtet – aus Bauzäunen. Aber viel besser siehts ja an der Gellertstraße auch nicht aus. Nix neues also für die sicher 200 mitgereisten ChemnitzerInnen. Das Stadion, nennen wir es lieber Funktionsbau, hat wirklich jede schlechte Erwartung getoppt. Funktional ist wirklich geschönt. Alles was man nicht sehen möchte... Tartanbahn, Beton, soweit das Auge reicht, Ein paar Wellenbrecher, kein Casino, drei Gartenhäuschen zum Verkauf von Getränken und Gegrilltem. Und dieser Wind. Diese Kälte. Und keine Chance, dem zu entkommen. Außer der Betontribüne gibt’s ja nichts...

 

Die Geschichte des Spiels ist schnell erzählt: Chemnitz spielt mit angezogener Handbremse, hat die Lage aber immer unter Kontrolle, geht durch einen berechtigten Strafstoß in Führung und legt souverän nach. Die Vorstellung des eigenen Teams hatten die mitgereisten ChemnitzerInnen offenbar erwartet, denn nicht mal bei den Toren war auch nur irgendein Ton aus dem Block zu vernehmen. Support? Gesang? Wenigstens das übliche Gepöbel? Fehlanzeige!

 

Auf Heimseite war es allerdings noch skuriller. Ok, der ein oder andere Gesang war zu vernehmen, allerdings beteiligten sich daran weniger Leute, als Megafone im Stadion waren. Die bekommt man offenbar beim Fanclub „Die Ileburger“ mit der Aufnahme in selbigen. Nur hat man in Sachsens Norden offenbar nicht ganz verstanden, wozu die Dinger da sind. 3 Rentner pöbelten Schiri und Gegenspieler mit sexistischen, homophoben Schmähungen via Stimmverstärker voll. Richtig daneben. Das hatten auch einige der durchaus zahlreich vertretenen Hopper so noch nicht erlebt. Lieber keinen Fanclub, als so einen.

 

Was gibt’s noch zu sagen? Der Schaum auf dem Bier gefror, nur die härtesten haben sich ein zweites geholt. Stattdessen war Glühwein der Renner. Ein dickes Plus gibt es für das Angebot vom Grill: richtig gutes Steak, Bratwurst und Fleischkäse für schmalen Taler. Der einzige Lichtblick dieser Tour, die ansonsten durchaus Potenzial hatte, sich zum ersten mal wirklich selbst in Frage zu stellen. Ist man vielleicht doch so bescheuert, wie einem immer erzählt wird? Sollte man nicht doch lieber am Wochenende ins Naturschutzgebiet gehen, Kraniche beobachten, Blätter zwischen Bücherseiten pressen, ein Instrument erlernen, zur Landesgartenschau fahren? Nein! Selbst Eilenburg hat das nicht geschafft. Man muss auch solche Stadion sehen, um die anderen schätzen zu wissen... Aber für dieses gilt: nie, nie wieder!

 

Ben

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