Böhmische Härte

 

Česká fotbalová liga

 

 

10.kolo | ne., 13.10.2013 | 16:00 | Stadion Pod Lipou

 

 

Sportovní klub Roudnice nad Labem

 

 

1:2(1:1)

 


TJ Kunice


Tore: 1:0 Svátek (1.), 1:1 Rejhon (37.), 1:2 Ouedraogo(62.)

 

Zuschauer: 160

 

Bericht:

Ein Wochenende ohne Fußball? Kommt kaum in Frage. Morgens siegt die A-Jugend standesgemäß mit 8:1 gegen den Tabellenvorletzten und hat in den letzten beiden Heimspielen jeweils mit sieben Toren Vorsprung gegen seine Opponenten gewonnen. Eine Leistung die beeindruckt. Wir dürfen gespannt sein, welcher unserer Nachwuchskicker das Format hat, irgendwann die Fahne auf der Brust tragen zu dürfen.

 

Weil unsere böhmischen Freunde die Güte besitzen, ihre Anstoßzeiten derart zu gestalten, dass die Möglichkeit besteht, spontan gen Tschechien aufzubrechen, war es anschließend locker möglich, Mittag zu fassen und gemütlich Richtung Treffunkt zu marodieren. 14.00 sollte es losgehen. Berechnete Zeit des Navis: 1h 55m. Anstoß: 16.00. Karenzzeit: fünf Minuten. Alles andere als prickelnd, dass der Trip mit 10 Minuten Verspätung startet und einheimische Währung auch noch erstanden werden muss.

 

Kein Problem für die Reisegruppe. Trotz ÖPNV-gerechten Fahrens, obwohl wir mit diesem Anspruch ziemlich allein auf der Straße kurvten, pünktlichst am Platz oder Stadion. Ziemlich romantische Lage. Zwischen Schloß und Schlammtümpel. Weite Felder im Blick und dennoch eine Erinnerungsplakete ans Hochwasser im zweiten Stock. Von den Flutgeldern gleichmal umliegendes Land abgebaggert, neue Nachwuchsplätze und eine schicke Tribüne errichtet. Schick, schick.

 

Anschließend Pivo erstehen, gleichbedeutend mit dem Verpassen des ersten Tores. Die Heimmannschaft ging in Führung. Wir wechseln schnell die Seite des Spielfelds. Der Grill steht dem Faßbier gegenüber. Die fettige Klobasa in den Griffeln, den Hügel erklommen, Platz genommen und beobachten, wie die Gäste nun drücken. FK Kunice, TJ Kunice, irgendwie so. Der einzige Fan trug eine Dukla-Prag-Mütze. Als wir auch auf den Trainingsjacken der Gästespieler ebenfalls das Dukla-Logo erblickten, beschlichen uns ernste Zweifel. Doch das Hofmännchen schloß logisch: Farmteam. In der Tabulka weit vor den Hausherren platziert, rissen die Farmer das Spiel nun peux a peux an sich.

 

Es folgte der Ausgleich, nach einem Eckball. Jubel beim einköpfigen Gästeanhang, inklusive hämischen Fingerzeigs in Richtung des dreiköpfigen Heimsupporterblocks mit Trommel. Dieser erwiderte mit "Roudnice, Bam, Bam, Bam"! "Kunice, Kunice" schallt es zurück! Reimt sich! Und was sich reimt, ist gut!

 

In der zweiten Halbzeit wurde der Ton rauer. Nicht der auf den Rängen, der bliebt gleich monoton. Aber wir, die mit gar keinem Support gerechnet hatten, waren damit schon sehr zufrieden. Natürlich die Umgangsformen auf dem grünen Rasen sind gemeint. So gut wieder jeder Zweikampf wurde mit Grätschen und offener Sohle geführt. "Hey, nimm mich. Ich muss morgen arbeiten!".  Das führte dazu, dass die Heimmanschaft zunächst in Rückstand geriet und dann noch in Unterzahl. Der Heimtorwart war kurz davor, den Pfosten durchzubeißen vor lauter Wut, über angeblich unberechtigte Freistöße und Karten. Der Schiedsrichter war in Halbzeit Zwei von seiner großzügigen Linie abgewichen und begann damit, doch das ein oder andere Foul zu ahnden.

 

Wir nahmen das durchaus mit Amusement zur Kenntnis und stellten beim Bierkauf fest, wie schnell das eine Semster Tschechisch wieder verflogen war. Das merkt man nicht erst, wenn die Kellnerin die Bierbestellung grammatikalisch korrigiert. Aber vor allem, wenn die Gästespieler einen kleinen Smalltalk beginnen wollen und man nicht mal, "nix verstehen" auf Tschechisch erwidern kann. Děkuju! Dafür durfte sich die Reisebegleitung erfreuen, wie jedes Schild, ob Barname oder Stadtteil, kennerhaft vorgetragen wurde, um wenigstens mit der Kenntnis der richtige Aussprache zu prahlen. Meine Mitfahrer dürften das als Strafe betrachtet haben, dass ich nicht eine Wehranlage oder eine erhöhte Klosterruine besichtigen durfte. Vielleicht lief die Kausalkette auch anders herum. Kulturbanausen!

 

Laufen tat auch das Bier! Tschechisches Bier ist der Wahnsinn. Man kann so viel trinken wie man will, man wird nicht betrunken. Im Gegensatz zur Klobasa. Satt nach einer, aber man möchte nicht aufhören zu essen. Darunter litt aber vor allem die vegetarisch gesinnte Reisebegleitung auf der Rückfahrt.

 

Bilder:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0

 

Nächstes Spiel:

23. September 2017, 15.00

Dresdner SC - Crostwitz

Steyer-Stadion
 

 

Letztes Spiel:

Oberland Spree   4 (0)
Dresdner Sportclub   1 (0)

 

Links: