Karfreitagshopping

 

Ganz unchristlich, so wie wir stalinistischen Unmenschen es halt gewohnt sind, ging es am Trauertag zum Fußball. Ich kann nun aber auch nichts dafür, wenn just an einem dieser höchsten Feiertage des Kirchenjahrs der Glamour verheißende Paris FC am Stadtrand von Nantes gastiert. Dazu kommt, dass der gastgebende Verein eine katholische Gründung ist. Mein finnischer Begleiter zeigte sich ebenfalls schockiert, dass gespielt wurde und er mit mir an selbigem Tag in die Uni musste. Schurkerei allerorten.

 

Die nach der französischen Nationalheldin benannte Gastgeberin hatte übrigens erst vor wenigen Jahren überregionale Bekanntheit erlangt. Das Stadion lässt es erahnen, ist es doch charakteristisch für Vereine dieser Kategorie, die erst in jüngerer Geschichte höhere Gefilde erreichten. Auf der einen Seite eine kleine Schmucke Tribüne, auf der anderen Seite eine mobile, tragbare Tribüne der Marke Sachsenring.

 

Bekannt ist Jeanne d'Arc vor allem für ihre Auftritte im Coupe de France. 2008 gelang dem noch fünftklassigen Verein der Vorstoß bis ins Viertelfinale. Auf dem Weg dahin wurden die Erstligisten AS Nancy und Olympique Marseille ausgeschaltet. 36.000 Zuschauer sahen schließlich, wie die US Carquefou gegen Paris St. Germain im Stade des FC Nantes die Segel streichen musste. Die gleiche Anzahl hatte am selben Ort dem legendären Triumph gegen Marseille beigewohnt.

 

Championnat de France National 2013/14

 

La journée N° 29 | Vendredi., 18. avril 2014 | 20:00 | Stade du Moulin Boisseau

 

 

Union Sportive Jeanne d’Arc Carquefou

 

 

 

1:2(1:0)


Paris Football Club

 

Die Begegnung verhieß ansprechenden Fußball. Vierter gegen Siebter der dritten französischen Liga. Wo übrigens auch der ehemals große Racing Club de Strasbourg ein tristes Dasein fristet und wohl absteigen wird. Carquefou hingegen rangierte vor dem Spiel einen Punkt hinter dem glorreichen Red Star FC Paris und fünf Punkte hinter dem Aufsteigsplatz in die zweite Liga. Alles noch drin, möchte man meinen. Weitere drei Punkte dahinter der Paris FC, das um ein Tor bessere Torverhältnis ermöglichte einen Sprung in der Tabelle, im Falle eines Sieges. Alles bereitet für ein spannungsgeladenes Aufeinandertreffen.

 

Zwischen sechs und elf Euro kosteten die Karten im Normalfall. Je nach Alter, Status und Tribüne. Für dieses Spiel war der Bereich jenseits der Tribünen jedoch gratuit. Sehr freundlich. Und es gab dennoch eine Eintrittskarte. Das Bier für nur zwei Euro ein echtes Schnäppchen. Alternativ den Rosé für einen lächerlichen Euro. Das Bezahlungssystem errinnerte mich an den Sportclub. Zuerst tauscht man den Euro in die Stadionwährung. Einfache abreißzettel. Ein Billet gleich ein euro, dann tauscht man das Papier gegen Gesöff.

 

Und davon brauchte man reichlich. Das Spiel auf einem unzumutbaren Niveau. Lange Bälle der Hausherren. Selten mal ein paar schöne Spielzüge. Wenn dann aber auf Seiten der Grün-Weißen, die folgerichtig mit 1:0 in Führung gingen. In der zweiten Halbzeit wanderten wir mehr ums Areal und zum Weinstand, als auf das Spiel zu achten. Es reichte jedoch um zu erahnen, dass Paris jetzt die Oberhand hatte.

 

Zunächst fiel der Ausgleich. Dann war es ein Match auf Augenhöhe. Gute Chancen auf beiden Seiten. Die guten Angriffe der Hausherren wurden meist durch Abseitsstellungen zu nichte gemacht oder mit Fouls gestoppt. Während ich Wein holen war, brachte ein Foul die Entscheidung für die Gäste. Das ganze begleitet von einem emotionslosen Schankwirt. Ein stämmiger Franzose hatte gerade vier Rosé geordert, der Wirt füllte konzentriert die Plastikbecher bis zum Rand, wenn das nicht schon ein Bild für die Götter wäre, als der Schiedsrichter auf Elfmeter entschied. Drei mal säuselte der Mann über den Tresen: "Pénalty pour Paris.", erst nachdem letzten Anlauf ließ sich der Wirt aus seiner Konzentration heraus reißen und hauchte geschmeidig zurück: "Pour Paris? Ils sont fous."

 

Als wir anschließend an der Haltestelle auf den Bus warteten, mussten wir ein paar unverschämten Rotzern Rede und Antwort stehen. Sofort als Ausländer enttarnt ging's los. Wieviel Französinnen wir schon flach gelegt hätten und ob ich Bayern oder Borussia bevorzugen würde. Den Dresdner SC kannten sie leider nicht, dafür das Wort Hurrensohn.

 

Tore: 1:0 Sacha Clémence (45.), 1:1 Karl Toko Ekambi (65., Elfmeter), 1:2 Diawoyé Diarra (75.)

 

Zuschauerinnen: 1.363

 

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