Rayo Vallecano - FC Granada 3:1 (0:1)

Estadio de Vallecas, 10.952 Zuschauerinnen

Tore: 0:1 Cordoba (8.), 1:1 Bueno (65.), 2:1 Bueno (76.), 3:1 Adrian Embarba (90. +4)

 

Bericht:

Die Schönste aller Begleiterinnen lud nach Madrid im Frühling, was unsereins natürlich nicht ausschlagen konnte. Während andere Leute arbeiten mussten, konnte unsereins das herrliche Frühlingswetter in Spanien‘s Hauptstadt genießen und Kunst und Kultur bestaunen. Dem Weltenbummler gilt Madrid eher als schwierig - heiss im Sommer, bitterkalt im Winter – und im Gegensatz z.B. zu Barcelona fehlt es doch an der Leichtigkeit des Meeres. Auf der anderen Seite kann sich das Nachtleben sehen lassen und die Stadt ist abwechselungsreich und kulturell natürlich gut bestückt. Insidertipp: Marine-Museeum, das einzige Museum, wo ich bisher von Militärangehörigen gefilzt wurde, weil es sich – unpraktischerweise – direkt im Marine-HQ befindet – man betritt es passenderweise auch nur durch einen Seiteneingang samt schäbigem Treppenhaus. Die Ausstellung verspürt so den Charme der 50er Jahre, dass es schon wieder richtig Spass macht durch die Ausstellung zu streichen, ohne den ganzen neumodischen, museumspädagogischen Firlefanz.

Egal. Gemeinhin gibt es für eine Reise nach Madrid eigentlich nur zwei fusballerische Gründe – Real oder Atlético. So sagt man jedenfalls. Das ist natürlich Unsinn, weil die Hauptstadt mit Rayo Vallecano und dem FC Getafe noch zwei weitere Erstligateams zu bieten hat, wobei letzteres allerdings schon eher zum Grossraum zählt und vor allem durch sein Industriegebiet berühmt ist. Die beiden grossen Teams allerdings üben einen geringen Charme auf mich aus: Die von mir unterstützen Teams werden auf absehbare Zeit nie dort in der CL zu Gast sein, die Stadien sind beide keine Schönheiten und die Fans – schwierig. Allerdings können beide Stadien mit Superlativen aufwarten – Real hat einen riesigen Adidas Store im Stadion und bei Atletico führt die Stadtautobahn unter der Hauptribüne hindurch. Immerhin.

Von Spielplan her gab es aber eh nur eine realistische Möglichkeit, das Heimspiel von Rayo gegen Grenada am Samstagabend. Ehrlich gesagt, mein Wissen über Rayo hielt sich bis zum Madrid Aufenthalt in Grenzen: Ja Nachbarschaftsklub, ja‚ eher linke Szene, aber man muss eben auch nicht alles glauben, was so durch das Netz geistert. Also schon am Freitag zum Stadion, Karten organisieren und mal Impressionen sammeln. Anreise lässig mit der Metro, die einen direkt an einem liebevoll verrocktem Stadion mitten in einem Wohngebiet ausspuckte. Der Stadtteil Vallecano ist das, was man früher wohl ein typisches Arbeiterquartier genannt hätte, bevor wir uns von solchen Begriffen verabschiedet haben und es nun ‚untere Mittelklasse‘ nennen, um damit so tun also ob wir alle im gleichen Bott sässen. Eine bunte Mischung von Migranten, Müttern mit Kindern, Pensionären, Anarchos und normalen Leuten schob sich die Hauptstrasse auf und ab, die sicher auch schon bessere Zeit gesehen hat. Nicht schön, aber mit Stil - und in der Kneipe neben dem Stadion war man - im Vergleich zu anderen Läden in Madrid - geradezu herzlich. Der Fanshop hatte trotz ‚opening hours‘ noch nicht auf, aber der alte Mann an der Hauptkasse war schon da und verkaufte mir ohne Umschweife zwei Tickets, ohne ob meines radebrechenden Spanischs auch nur mit der Wimper zu zucken. Die Sprache des Fussballs ist eben universell.

Nachdem meine liebste Begleitung all das Sightseeing, was ihr bisher entgangen war, mit mir am Samstag nachgeholt hatte, ging es ins Stadion. Dort liess sich schon beobachten, dass es sich tatsächlich um einen Nachbarschafts-Club handelt. Die einzigen Leute, die mit uns aus der Metro ausstiegen, waren ein paar Hopper und 1 Vater + Kind mit Schal. Die restlichen 12.000 Fans mussten eine kürzere Anreise gehabt haben. Vor dem Stadion war schon ordentlich was los, die Kneipen voll und die Erdnuss- und Schalverkäufer hatten alle Hände voll zu tun. Highlight war sicherlich ein pinker Schal mit dem Logo ‚Mujerers Rayo‘, den ich leider nicht meiner liebreizenden Begleitung kaufte, was ich und sie (ob der bitteren Abendkälte) noch bitter bereuen sollten. Wir hatten Oberrang mit tollem Blick über das nächtliche Madrid und den Ultra-Block, der zu Spielbeginn gleich erstmal 15min den Support verweigerte. Warum, dass liess sich leider nicht ergründen, die meisten um uns waren auch nur zugereist. In dieser Phase gingen die Gäste aus dem Süden dann auch schon – aus stark abseitsverdächtiger Position – mit 1-0 in Führung. Danach ging es dann aber los mit dem Support und die Stimmung war ansprechend, zumal ein Stadion mit 3 Tribünen den Support ja gemeinhin schwierig macht. Ich mochte auch die Fahne der internationalen Brigaden im Block. Fussballerisch hatten alle Akteure viel Platz auf dem Feld, was das Ganze recht ansehnlich machte. Pressing und frühes ‚Auf den Mann gehen‘, gehört in der Spanischen Liga wohl nicht zu Standard, mag aber dazu beitragen, dass der Fussball attraktiver als in der Bundesliga zu sein scheint.

Als Grenada das Fussballspielen nach der Führung weitgehend eigestellt hatte, drehte das Heimteam in der 2.Halbzeit auf und brachte das Stadion förmlich zu beben. 3 Tore von Bueno, der damit Clubgeschichte als bester Torschütze im Dress der Rot-Weissen schrieb (war und ist ja angeblich bei Werder Bremen auf der Liste) drehten das Spiel völlig verdient und ohne viel Mühe. Insgesamt grosser Spass, zumal sich auch die Abreise einfach gestaltete – die Bahn Richtung Zentrum war nur mässig voll. Zum Ausklang noch die Suche einer Bar mit Cider und Tapas für die Wagemutigste aller Begleiterinnen und dann konnte auch der Madrid-Aufenthalt als erfolgreich verbucht werden.

 

Der Reisende

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