Landespokal Sachsen-Anhalt, Finale: VfL Halle 1896 - Hallescher FC 0:6 (0:3)

 

Mi, 13.05.2015 - 18:10 | Finale, Landespokal Sachsen-Anhalt

Sportpark Halle, 12.855 ZuschauerInnen

Tore: 0:1 Brügmann (4.), 0:2 Osawe (33.), 0:3 Osawe (41.), 0:4 Furuholm (62.). 0:5 Brügmann (76.), 0:6 Gogia (84., HE).

 

Bericht:

Der Fußballgott hatte dem sachsen-anhaltinischen Fußball in seiner schier unendlichen Weisheit ein traumhaftes Halbfinallos bescherrt. Auf der einen Seite zwei Giganten unter den Unsympathen, FCM gegen HFC, auf der anderen Seite Preußen Magdeburg gegen Halle 96. In beiden Spielen zog die Landeshauptstadt im Elfmeterschießen den Kürzeren gegen die Fußballhauptstadt. Die beiden Fußballvereine der grauen Maus an der Saale schenkten ihrer Stadt damit ein potentielles Fußballfest.

 

Nach der Sympathie musste in diesem Spiel auch nicht lange gesucht werden, als DSCer, ja ein rotlackierter Faschist maßt sich hier soeben an, für die Gesamtheit des mohnroten Anhangs zu sprechen, sind die Parallelen zum Sport-Club unübersehbar. Der älteste und traditionsreichste Fußballverein der Stadt Halle, mit einer überschaubaren Anzahl an AnhängerInnen auf der einen Seite, auf der anderen ein Relikt der DDR-Sportpropagandamaschinerie. Der sogenannte HFC Chemie, jetzt nur noch HFC und sein zweifelhafter Anhang. Ironie der Geschichte, dass der VfL unter dem Namen Hallescher Fußballclub von 1896 gegründet wurde.

 

Gleich dem DSC maßte sich der VfL Ende der 90er an, die Vorherrschaft im städtischen Fußball an sich zu reißen. Während der HFC in der Landesliga rumtingelte, kreuzten DSC und VfL in der dritthöchsten Spielklasse die Klingen. FUSION! Schrie man beim HFC, man müsse doch die Kräfte bündeln. Auch DSC und der 1.FC Dynamo sollten fusionieren, zur SG Dynamo. Natürlich scheiterten beide Vorhaben glücklicherweise am Veto der Fans.

 

Während der Glorreiche in den Niederrungen des Landesfußballs verschwand, kickt der VfL immerhin in der Oberliga und gibt dort mit einem guten Mittelfeldplatz keine schlechte Figur. So auch im Landespokal, wo es in der Finalpartie nun fünfte Liga gegen Drittklassigkeit hieß. Interessant dabei, wie sich so mancher Anhang des lokalen Primus von der deutlich abgeschlagenen Nummer 2 der Stadt bedroht fühlt. Halle 96 mit Zuschauerzahlen zwischen 70 und 150, während der HFC mit 6.000 im Schnitt pranzen kann. Ja, da muss man im Vorfeld schon mal richtig auf die Kacke hauen und die Internethools in die Spur schicken, um jedem, der diese Zahlen nicht richtig zu interpretieren weiß, klar zu machen, wer die Nummer 1 ist. Dabei nicht zug vergessen, cool im Subtext mitschwingen zu lassen, dass wer dennoch den anderen Verein knuffte findet, mit Schellen zu rechnen hat. 

 

Die 96er hatten jedenfalls die nötigen Vorkehrungen getroffen und so sammelte sich die Meute abseits des Stadions und wurde mit Shuttle-Bussen in das Wohnzimmer des HFC gekarrt. 15.000 passen in das Schüsselchen. Knapp 13.000 waren gekommen, die überwältigende Mehrheit hielt zum Favoriten, der sich nicht lange bitten ließ und nach wenigen Minuten in Führung ging. Bierernst spielten die Rot-Weißen das Finale zu Ende und gönnten dem Underdog nichtmal einen Ehrentreffer. Sehr sympathisch.

 

Die 96er feierten die 90 Minuten dennoch durch, als ob sie den Pott gewinnen würden, mit allerfeinstem Support selbstironischener Natur, ausgezeichnet durch ganz viel Kreativität und Witz. Beim Stand von 6:0 schallte es aus dem Gästeblock: "Letztes Tor entscheidet, oh, oh, ohohoo." In der naiven Hoffnung die Chemiker würden nochmal die Beine hoch nehmen und den Gästen ihren Ehrentreffer gönnen. Denkste, "Auf geht's rot-weiße Jungs, holt ein Bier für uns." Merken für das Spiel gegen 06!

 

Nach Abpfiff gab's ein paar Rangeleien, da es keine konsequente Fantrennung gab und sich ein kleines Grüppchen Provokateure in den VfL-Block geschlichen hatten und nicht damit rechnete, dass jemand ihre Einladung annehmen würde. In windeseile waren aber Ordner und Polizei vor Ort und erstere führten die rot-weißen Stänkerfritzen ab. Die Mannschaft konnte noch eine Weile in Ruhe gefeiert werden.

 

Unter Polizeischutz und mit dem Shuttle ging es letztlich zurück zum Parkplatz. Ein paar Nazis fanden sich zum Pöbeln noch am Stadionausgang ein, doch der überwiegende Teil stand im Innenraum und affte vorm 96-Block rum, während ihre Mannschaft am anderen Ende des Stadions mit den Fans feierte. Nunja.

 

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